Heimatgefühle deluxe

Gedanken aus dem Norden.

Wer wie ich Verwandtschaft in Bayern hat, selbst jedoch im hohen Norden aufgewachsen ist, lernt es schon früh: „Hoamat is a Gfui – is da, wo dei Herz is“. Für mich war Bayern daher nie einfach nur ein Urlaubsziel. Es war ein zweites Zuhause – mit einer ganz eigenen Art, das Leben zu leben und zu genießen.
Während ich hier gemütlich zu Hause auf der Terrasse sitze, schweifen meine Gedanken ab. Auch ohne unterwegs zu sein, zieht es mich gedanklich immer wieder nach Bayern – zu den Bergen, der entspannten Gemütlichkeit und den kleinen Momenten, die das Leben dort so besonders machen.

1. Begrüßungskultur – vom „Hi“ zum „Grüß Gott“
Hi und Hallo sind hier in Niedersachsen die Klassiker unter den Begrüßungen. Locker, schnell, unkompliziert. Ganz ohne großen Schnickschnack. Ein „Grüß Gott“ ist stattdessen nicht einfach ein „Hallo“. Es ist wie ein kleines Ritual, das Respekt und Nähe ausdrückt.

2. Zeitgefühl in Berggeschwindigkeit
Im Norden ist das Zeitmaß der Menschen oft geprägt durch: gerade Straße, Tempomat, ankommen! In Bayern lernt man stattdessen schnell, dass eine Stunde Fahrt auch folgendes bedeuten kann: Mehrere Fotopausen und eine gemütliche Brotzeit zwischendurch – also jederzeit eine Einladung, den Moment zu genießen.

3. Essen – oder warum Mittagessen nicht einfach Mittagessen ist
In Niedersachsen heißt Mittagessen oft Fleisch, Kartoffeln und etwas Gemüse dazu. In Bayern dagegen wird schon morgens ein Weißwurstfrühstück mit süßem Senf, Brezn und Weißbier kredenzt. Mittags folgen dann Knödel, Schweinsbraten oder Kaiserschmarrn – danach braucht man keine Pläne mehr, nur noch ein Nickerchen.

4. Sprache – eine neue Welt an Wörtern
Ich verstehe den bayerischen Dialekt inzwischen gut – doch das bayrisch ist so eine Sache für sich. Nutzen die Einheimischen doch nicht selten Abkürzungen wie „i hob“, eigene Begriffe, wie beispielsweise „Brezn“ für Brezel oder „Hoibe“ für ein halbes Bier. Einiges mag sogar regelrecht exotisch klingen – es macht den Dialekt für mich allerdings nur noch lebendiger und persönlich.

5. Zwischen Gelassenheit und „passt scho“
Vielleicht der größte Unterschied: In Niedersachsen ist vieles sachlich und direkt. In Bayern herrscht allerdings vermehrt die Gelassenheit á la „Schau ma moi, dann seng ma scho“ vor. Das soll im Süden (ich denke da auch an den typischen italienischen Spruch „Dolce far niente“) nicht bedeuten, dass man sich um nichts kümmert oder nichts passiert. Vielmehr besagen diese beiden Sprüche: Manchmal ist es genau richtig, das Tempo rauszunehmen – im bayerischen sagt man es mit einem Augenzwinkern, der Italiener packt noch eine Prise Dolce Vita mit drauf.

Und so stehe ich als „Bavarese on tour“ oft zwischen zwei Welten: im Norden die eigenen Wurzeln; umgeben von Pragmatismus, Weite und Meer – im Süden die Berge & Seen, die Traditionen und die Gemütlichkeit.
Aber genau das ist es, was zählt: Man muss sich gar nicht entscheiden. Denn Heimat ist da, wo das Herz ist – schließlich sind es letztendlich die Menschen, die einen Ort zur Heimat machen. ♡

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