Auf den Spuren von Romeo & Julia
Unweit des Gardasees liegt Verona. Die Stadt ist eines der wohl schönsten und zugleich auch sagenumwobensten Ausflugsziele des Landes – Shakespeares Romeo & Julia sei Dank.


Doch sollte man die Stadt an der Etsch (italienisch: Adige) nicht auf das wohl berühmteste Liebespaar der Weltliteratur reduzieren. Denn Verona hat darüber hinaus einen ganz eigenen Charme.
Mich zieht es nun schon zum dritten Mal hierher. Aktuell habe ich eine Woche Urlaub in der schönen Stadt in Norditalien verbracht – und mir direkt eine italienische Zweitnummer zugelegt😉 Kleiner Tipp: Eine solche Investition lohnt sich, da man vor Ort oft nur eine schlechte bzw. keine Internetverbindung ins italienische Netz hat – eine lokale SIM-Karte kann Abhilfe schaffen.

Erste Adresse: Piazza Brà
Wer in Verona ist, der wird bestimmt an der Arena di Verona nicht vorbeikommen, ohne einen Blick auf das besterhaltene Amphitheater aus römischer Zeit zu werfen. Ungefähr im Jahr 30 n. Chr. errichtet, diente das Gebäude – das damals außerhalb der Stadtmauern lag – seinerzeit dem Austragen von Gladiatoren- und Wettkämpfen, die beim Publikum sehr beliebt waren.



Während das Kolosseum in Rom im Mittelalter als Steinbruch genutzt wurde und die immer noch beeindruckenden erhaltenen Reste heute lediglich für Besichtigungen zur Verfügung stehen, sorgte man hingegen in Verona seit dem 16. Jahrhundert dafür, das dortige Bauwerk vor weitreichender Abtragung zu schützen und den Gebäudebestand fachgerecht zu pflegen und zu restaurieren.


Heute zieht es regelmäßig viele kulturbegeisterte Zuschauer in das Amphitheater der Stadt. Aufgeführt werden im elipsenförmigen Innenbereich zahlreiche Events und Konzerte. Großen Anklang findet beispielsweise stets das Opernfestival mit aufwändigen Inszenierungen italienischer Opern wie Tosca oder Nabucco.

Für einen gemütlichen Start in den Tag empfehle ich das Caffè Wallner unweit der Arena. Hier bekommt man typisch italienisches Frühstück in urbaner Atmosphäre; nebenbei gesagt, außerdem mit sehr freundlichem Personal – beim einem erneuten Besuch wurde ich direkt wiedererkannt und nett begrüßt.


Mit direktem Blick auf die Arena kann man es sich später in einem der Straßencafés gemütlich machen und das Ambiente der Stadt genießen, während sich die Piazza Brà stetig mit Einheimischen und Touristen füllt.

Ein Tipp: Die traditionelle Veroneser Spezialität Risotto all‘ amarone sollte man sich nicht entgehen lassen. Man bekommt das Gericht aus Vialone Nano (Reis) und Amarone della Valpolicella (Rotwein) zum Beispiel im Bistro Mamma Mia.

Beliebter Treffpunkt: Piazza delle Erbe
Wie andere italienische Städte überzeugt auch Verona mit einem eigenen Stadtbild, geprägt von großen imposanten nebst kleinen charmanten Plätzen. Neben der Piazza Brà ist in diesem Sinne die Piazza delle Erbe ein wichtiger Tummelplatz der Veroneser – wie auch für Touristen aus aller Welt. Besonders schön anzusehen sind hier die verzierten Häuserfassaden.


Überragt wird die Piazza delle Erbe vom Torre dei Lamberti. Der charakteristische Turm beherrscht die Altstadt von Verona und ist mit 84 Metern Höhe eines der höchsten Gebäude der Stadt. 368 Stufen – wer die entsprechende Ausdauer hat, kann den Turm zu Fuß erklimmen. Anderenfalls steht gegen Aufpreis ein Aufzug zur Verfügung.

Die umliegenden Restaurants und Bars haben ein breites Angebot an Getränken und Speisen zu bieten. Wer es etwas lokaler bevorzugt, dem empfehle ich einen Besuch der Osteria Marconi in der Via Guglielmo Marconi. Neben leckeren Speisen gibt es hier zum Abschluss auch noch einen Schnaps aufs Haus😉


„Romeo, oh, mein Romeo! Warum denn, Romeo?“
Ausgehend von der Piazza delle Erbe kommt man auf der Via Cappello an einem eher unscheinbaren Hauseingang vorbei. Auffällig ist jedoch der Besucherandrang, der vermuten lässt, dass es sich bei dem Anwesen mit der Nummer 23 nicht nur um ein gewöhnliches italienisches Gebäude handelt. Durch einen kleinen Durchgang gelangt man in den Hinterhof der Casa di Giulietta.


Ein Sinnbild für das berühmte italienische Liebespaar aus dem gleichnamigen Stück von Shakespeare, Romeo & Julia, ist dort zu finden: Der Balkon, auf dem Julia stand und den Namen des Geliebten rief, während Romeo sie unten vom Hof aus anschmachtete.
Der berühmteste Balkon der Weltliteratur ist jedoch in Wahrheit ein antiker Sarkophag, der seinerzeit in den Katakomben der Arena di Verona gefunden wurde. 1935 kaufte die Stadt das damals verfallene Anwesen und der Direktor der städtischen Museen Veronas, Antonio Avena, ließ den Sarkophag an der Fassade des Hauses anbringen, um den vorherrschenden Mythos um das berühmte Liebespaar real werden zu lassen. Avena wollte dem Ort die entsprechende Romantik verleihen – und das gelang ihm: Regelmäßig pendeln seitdem Liebende und unglücklich Verliebte in den wohl bekanntesten Hinterhof der Welt.


Wer mag, kann vor einem Besuch im angrenzenden Souvenirshop auch einen Blick in die Innenräume der Casa di Giulietta – heute ein Museum – werfen. Zu sehen sind in dem mittelalterlich anmutenden Wohnhaus, das sich lange Zeit im Besitz der Familie Dal Cappello befand, heute unter anderem der Hauptsaal und das Herrenzimmer. Außerdem zu bestaunen ist das Original Filmbett aus den 60er-Jahren.

Das Pendant zur Casa di Giulietta, das vermeintliche Wohnhaus von Romeo, befindet sich in unmittelbarer Nähe. Allerdings wird schnell deutlich, dass sich der Besucheransturm in der Via Arche Scaliger deutlich in Grenzen hält.



Auf dem Weg dorthin kommt man an der Piazza dei Signori und den Arche Scaligere vorbei – einen Blick auf die prachtvollen, gotischen Ruhestätten der wohlhabenden Herrscherfamilie Veronas sollte man sich nicht entgehen lassen.


Einen kleinen Fußweg von der Arena di Verona entfernt liegt das Areal des ehemaligen Klosters San Francesco al Corso. In dessen Kellergewölbe befindet sich der vermeintliche Tomba di Giulietta. Das Interessante daran: Der Sarkophag ohne Deckel ist schon seit jeher leer gewesen.
Weitreichende Faszination – auch durch Berühmtheiten wie Charles Dickens oder die Frau Napoléons – erhielt das Steingrab 1936 durch einen Clou des damaligen Direktors der städtischen Museen Veronas, Antonio Avena: Als ein Filmteam um Leslie Howard und Norma Shearer als Hauptdarsteller für „Romeo und Julia“ passende Drehorte suchte, um unter anderem die letzte Szene der Liebenden – nicht wie von William Shakespeare ursprünglich erzählt – in einer Gruft spielen zu lassen, ließ Avena einen Teil des Kellergewölbes umbauen und den Sarkophag dorthin versetzen. Ursprünglich befand dieser sich im Garten der ehemaligen Abtei.

Wer nun das auf dem Gelände befindliche Freskenmuseum durchläuft, kann am Ende der Besichtigung einen Blick auf den schlichten Sarkophag werfen, der seit jeher in der Volkstradition Veronas als Sinnbild für die letzte Ruhestätte der Julia Capulet steht.

Panorama & Natur pur
Vor Ort in Verona sollte man neben einem Bummel durch die verschlungenen Gassen der mittelalterlichen Altstadt auch unbedingt einen Streifzug entlang der Etsch unternehmen. Ein besonders schönes Fotomotiv ist hier die Ponte Pietra, eine der ältesten Brücken der Stadt.


Wer genug Zeit und Ausdauer hat, dem empfehle ich einen Aufstieg hoch zum Castel San Pietro, oberhalb des Museo Archeologico al Teatro Romano. Oben angekommen, hat man besonders bei gutem Wetter einen traumhaften Panoramablick. Seht selbst:








Ein weiteres Highlight auf dieser Seite der Etsch, gelegen im Bezirk Veronetta, ist der aus dem 16. Jahrhundert stammende Barockgarten Giardino Giusti. Die Anlage ist in mehreren Ebenen angelegt und verfügt über einzelne Terrassen, die einen schönen Blick auf das Areal ermöglichen:









Ein Abstecher ins Borgo Trento
Bewegt man sich vom Stadtkern aus in Richtung Borgo Trento, kommt man nicht nur am schönen Fotomotiv Arco dei Gavi (Bild unten links) vorbei, sondern kann sich auch einen Eindruck von einem weiteren Wahrzeichen Veronas verschaffen: dem Castelvecchio – verziert mit sogenannten Schwalbenschwanzzinnen und verbunden mit der Ponte Scaligero (Bild unten rechts). In der einstigen Residenz der Familie della Scala ist heute das Museo Civico di Castelvecchio untergebracht.


Über die Ponte Scaligero gelangt man schließlich zum Freilichtmuseum Arsenale Franz Joseph I, einem prächtigen militärischen Komplex. Hier am nördlichen Ufer der Etsch wurde das Kaiser Franz Josef I gewidmete Gebäude zwischen 1861 und 1864 von den Österreichern errichtet. Das Arsenal wurde schließlich bis zum Zweiten Weltkrieg für militärische Zwecke genutzt.

Verona überzeugt nicht nur kulturell und aufgrund seiner pittoresken Erscheinung, sondern steht beispielsweise anderen Städten auch im Bereich Mode nicht nach: In der Via Giuseppe Mazzini findet das Shopping-Herz alles, was es begehrt. Viele bekannte Modelabels wie Dolce & Gabanna, Gucci oder auch Armani sind hier vertreten. Zudem hat die Stadt an der Etsch kulinarisch einiges zu bieten, so dass man sich bei einem einzelnen Besuch gar nicht durch die diversen Speisekarten schlemmen kann.
Zum entspannten Flanieren und Genießen sollte man also schon mehrere Tage in der italienischen Stadt der Liebe einplanen.

Ciao Bella, Ciao Verona!
An dieser Stelle sei noch folgendes angemerkt: Eingangs hatte ich ja schon erwähnt, Verona liege nicht weit vom Gardasee entfernt. Diese Region ist unbestritten eine der beliebtesten Urlaubsregionen und auf jeden Fall einen Besuch wert. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, lest doch einfach mal meinen Beitrag „Catull und Zitronenkult” – oder schaut auf den Seiten von Visitgarda vorbei.
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