Die Schöne im Schatten Mailands

Authentisches Italien-Feeling in Bergamo

Wer Urlaub am Comer See macht und bei Gelegenheit auch die entferntere Umgebung des Sees erkunden möchte, der sollte wie ich unter anderem auch einen Ausflug nach Bergamo unternehmen.
Viele Touristen aus der Region südlich des Sees zieht es regelmäßig nach Mailand – und auf dem Weg dorthin wird Bergamo sprichwörtlich links liegen gelassen. Doch die Stadt zählt zu den schönsten Norditaliens. Und das mit Recht: Sie versprüht definitiv italienischen Charme und im Gegensatz zu Venedig oder Florenz ist Bergamo nicht vom Massentourismus überlaufen.
Zum einen prägen vorherrschende Industrie, Dynamik und Hektik die Stadt in der Lombardei. Auf der anderen Seite schätzen allerdings insbesondere Urlauber die Stille, die erlebbaren Genüsse und das dolce far niente Bergamos.
Und das interessanteste: Bergamo ist gewissermaßen in zwei Städte geteilt – Bergamo Bassa und Bergamo Alta.

Der „untere“, jüngere Ortsbereich ist der dynamische Teil von Bergamo. Ein touristisches Highlight ist hingegen die höher gelegene Altstadt.

Bergamo Bassa wurde ursprünglich aus den verschiedenen alten Vorstädten (beipielsweise Borgo Pignolo, Borgo Palazzo oder Borgo Sant’Alessandro) vor den Toren der Bergamo Alta heraus gebildet.
Wer sich zu einem Stadtbummel aufmacht, dem sollte klar sein: besonders lohnenswert ist die auf einem der letzten Ausläufer der Alpen gelegene Oberstadt Bergamo Alta (oder auch Città Alta) genannt. Damit gemeint ist ein unter Denkmalschutz stehender und von einer fünf Kilometer langen Stadtmauer umgebener mittelalterlicher Stadtteil.
Um die Città Alta zu erreichen, bietet sich auf bequemste Art und Weise eine Fahrt mit der 1887 erbauten Standseilbahn an. Nach einer Strecke von rund 240 Metern ist man schließlich am Ziel angekommen und befindet sich bereits mitten in der Altstadt – die Seilbahn verbindet das Zentrum des „modernen“ Bergamo mit der Piazza Mercato delle Scarpe.

Die Seilbahn verbindet das Zentrum von Bergamo mit der Oberstadt.

Die historische Altstadt von Bergamo ist von römischer sowie auch mittelalterlicher Geschichte geprägt – und das spiegelt sich bis heute sichtlich im historischen Stadtbilbild wieder.  Die geschichtsträchtige Seite der Stadt lässt sich hier umgeben von historischen Palazzi, Türmen und Kirchen erleben.
Zu den schönsten Plätzen in der mittelalterlichen Oberstadt gehört die zentral gelegene Piazza Vecchia. Von der Renaissance geprägt, vereint dieser malerische Platz bedeutende historische Gebäude wie den Palazzo della Ragione (das einstige Rathaus mit historischer Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert), Palazzo Nuovo sowie den Palazzo del Podestà (beherbegen heute Stadtbibliothek und Stadtmuseum) nebst dem markanten Campanone (Stadtturm).
Das Herzstück der Piazza Vecchia ist der Contarini-Brunnen aus der spät-venezianischen Ära, prachtvoll verziert mit Sphinxen, Löwen und Schlangen aus Zandobbio-Marmor. Hier versammeln sich Einheimische ebenso wie Touristen der Stadt.

Faszinierend sind auch die venezianischen Stadtmauern der Città Alta. Auf dem folgenden Foto sieht man die Struktur der historischen Befestigungsanlage aus dem 16. Jahrhundert – seinerzeit errichtet unter der Herrschaft der Republik Venedig: Die großen Steinbögen, die in den Hängen unterhalb der Altstadt verlaufen, dienen als tragende Elemente der massiven Mauer. Die gesamte Anlage ist seit 2017 Teil der UNESCO-geschützten “Mura Veneziane di Bergamo”.

Bergamo überzeugt Besucher immer wieder mit seinem mittelalterlichem Charme und macht deutlich, wie nah echtes italienisches Lebensgefühl abseits der großen Bühnen Mailands erlebbar ist. Die Stadt kann demzufolge zurecht als Perle Norditaliens bezeichnet werden und ist jederzeit einen Besuch wert.


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