Ein gut behütetes Geheimnis

Schöne Unbekannte: Orta San Giulio

Wer im Norden Italiens Urlaub macht und sich ein Ziel mit Seeblick aussucht, den wird es vermutlich an den Gardasee, den Comer See oder den Lago Maggiore ziehen. Verständlich! Jeder dieser Seen ist nun mal ein wahres Paradies für Touristen aus aller Welt. Vielerorts tummeln sich mal mehr, mal weniger auch Einheimische unter den Touristen – was meiner Meinung nach einen großen Einfluss auf das original Italien-Feeling hat.
Unweit des Lago Maggiore, circa 30 Minuten Autofahrt entfernt, liegt ein eher unscheinbarer See. Der Lago di Orta (Ortasee) ist bisher nur wenigen Urlaubern bekannt. Einheimische nennen den See „Cenerentola“: Aschenputtel. Diese Bezeichnung trifft es in der Tat!

Vom Ufer aus kann man auf die im See gelegen Isola San Giulio blicken.

Der Ortasee liegt im Südwesten des Lago Maggiore und gehört als einer der oberitalienischen Seen zum Teil zur Provinz Verbano-Cusio-Ossola, teils auch zur Provinz Novara. Die Gegend ist ebenfalls ein beliebtes Reiseziel – dennoch wimmelt es hier nicht direkt von Touristen und man kann einen entspannten Aufenthalt verbringen. Kleine Dörfer und Städte rund um den See laden zum Erkunden ein.
Mich hat es nach Orta San Giulio verschlagen. Der Ort befindet sich auf einer kleinen Halbinsel im Osten des Sees.

Kleine Gemeinden wie Orta San Giulio umringen den Ortasee.

Ein Streifzug durch die Gassen des Ortes

Orta San Giulio gilt gemeinhin als das Schmuckstück des Sees und besticht mit einer schönen Altstadt. Vor Ort kann man sich treiben lassen und durch zahlreiche kleine Gassen schlendern, die schließlich zur Uferpromenade führen und den Blick auf eine im See gelegene Insel freigeben. Viele Häuser hier stammen übrigens noch aus der Zeit der Renaissance und des Barock.

Auf dem Weg zum ehemaligen Rathaus, dem Palazzotto di Orta San Giulio (Bildmitte).

Der historische Stadtkern lädt zum Flanieren ein. Die kleinen Gassen rund um das Rathaus, gelegen auf der Piazza Motta, sind für den Autoverkehr gesperrt.

Das ehemalige Rathaus, von den Einheimischen auch Broletto genannt, befindet sich auf der Piazza Motta.

Wie vielerorts in Italien, bietet es sich einem auch hier: das landestypische – sprich: seit Generationen unveränderte – Erscheinungsbild. Was soll ich sagen … als Italienfan und Hobbyfotograf kann ich von Motiven dieser Art nie genug bekommen. Ich finde es faszinierend, welchen Charme man beispielsweise hier in der Via Ettore Bossi einfangen kann. Folgendes gilt meiner Meinung nach aber generell: Es ist immer wieder entspannend, durch italienische Gassen zu schlendern und die verschiedenen Eindrücke auf sich wirken zu lassen.

Vielerorts – wie hier in Orta San Giulio – bietet sich einem das landestypische Erscheinungsbild.

Nach einem kleinen Rundgang schließlich am Ufer zu sitzen und zu speisen, hat ebenfalls einen ganz eigenen Reiz. Hier am See findet sich allerdings – wie vielerorts üblich – eher die etwas gehobenere Küche. Ein Genießer-Blick auf die Isola San Giulio nebst Aperol Sprizz ist dennoch ein absolutes Muss.

Eine kurze Pause zwischendurch – mit kaltem Getränk in traumhafter Umgebung.

Landestypische Speisen inmitten des italienischen Gewirrs lassen sich meiner Meinung nach – wie auch in jeder anderen italienischen Stadt – besser abseits, in den kleinen verwinkelten Gassen oder eben auf Plätzen wie hier der Piazzetta Ernesto Ragazzoni, genießen. Ich habe mich für eine kleine Taverne entschieden. Hier gibt es leckere Köstlichkeiten und man kann nebenbei das bunte Treiben genießen.

Auf der Piazzetta Ernesto Ragazzoni begegnen sich Einheimische und Touristen.

Die „Insel der Stille und Meditation“

Von der Piazza Motta aus fahren in Abständen kleine Boote über den See zur nahegelegenen Insel, der einmaligen Isola San Giulio.
Angekommen, gelangt man über eine große Außentreppe zu einer Basilika – Herzstück und gleichermaßen auch Hauptattraktion der Insel. Auf dem Areal befinden sich neben der Basilika noch eine Benediktinerabtei sowie ein Bischofspalast. Weitere sehenswerte Gebäude sind in Privatbesitz.

Über das Inselareal führt der „Weg der Stille und der Meditation“. Dieser Rundweg lässt einen nicht nur hin und wieder innehalten, sondern bietet auch zahlreiche interessante Fotomotive.

Wenn man die einzige Straße entlang schlendert, kommt man vorbei an prachtvollen Anwesen und Herrenhäusern. Außerdem sind auf der Insel auch ausgewählte Restaurants und Geschäfte zu finden. Im Sommer bietet das besondere Ambiente den passenden Rahmen für die eine oder andere Veranstaltung.

Legro – Ausflugsziel für Cineasten

Ein weiteres interessantes Touristenziel – welches ich bisher allerdings noch nicht besucht habe – ist Legro, ein Vorort von Orta San Giulio. Für Fans der Kinogeschichte dürfte ein Ausflug hierhin besonders attraktiv sein: Der Ort wird nicht zu unrecht als „bemaltes Dorf ” bezeichnet. Die Wände vieler Häuser sind verziert mit diversen Spielfilmszenen, die rund um den See entstanden sind. An dieser Stelle sei erwähnt, dass beispielsweise „The Correspondence” mit dem britischen Schauspieler Jeremy Irons („Der Mann mit der eisernen Maske”) in Orta und auf der Isola San Giulio gedreht wurde.
Der Ortasee hat aber darüber hinaus auch noch einiges mehr zu bieten, wie beispielweise die Ortschaften Pella, Omegna oder Pettenasco.

Ruhe, Entspannung und Gelassenheit – all das verspricht ein Aufenthalt am Ortasee.

Wer in seinem Urlaub Ruhe und Ausgeglichenheit sucht, um der Hektik des Alltags für eine gewisse Zeit zu entfliehen, der sollte der Region rund um den Lago d’Orta unbedingt mal einen Besuch abstatten. Es lohnt sich!


Entdecke mehr von Bavarese on Tour

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar