Ferien für´s Herz

Unterwegs im Pfaffenwinkel

Der südwestlich von München gelegene Pfaffenwinkel umfasst im Alpenvorland die Fläche zwischen Lech, Ammer und Loisach, vom südlichen Ammer- und Starnberger See bis zu den Ammergauer Bergen. Im weiteren Sinne zählt man das Gebiet zwischen Landsberg am Lech und Starnberg im Norden, Ingenried im Westen, Füssen und Ettal im Süden sowie Benediktbeuren im Osten dazu. Eine exakte Begrenzung für den Pfaffenwinkel gibt es jedoch nicht.

Die Region in Oberbayern überzeugt mit traumhaften Landschaften und facettenreicher Historie. Kaum eine andere Region Deutschlands weist eine vergleichbare Dichte an Klöstern und Wallfahrtskirchen auf. Dazu zählen die Klöster Benediktbeuren, Rottenbuch, Steingarden, Ettal und Andechs sowie die Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg, in Ilgen und natürlich auch die Wieskirche. Diese Konzentration ist letztlich auch der Grund für die Bezeichnung dieser Region als Pfaffenwinkel. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich dieser Begriff aus dem lateinischen Anguli Monachorum‚ Ecke der Mönche‘ entwickelt.

Ein Wallfahrtsort zum Entspannen: Das Kloster Benediktbeuren.

Jede Gegend im Pfaffenwinkel hat ihren eigenen Reiz. Stolze 1.074 Ausflugsziele können, ausgehend vom Kerngebiet der Region, dem Landkreis Weilheim-Schongau, erkundet werden. In Weilheim selbst lohnt sich zu jeder Jahreszeit ein Bummel durch die Altstadt mit ihrer bewegten Geschichte und modernen Infrastruktur.

Eine lohnenswerte Unternehmung in die Umgebung ist beispielsweise ein Abstecher zum nahegelegen Ammersee, der mit seiner entsprechenden Lage Entspannung, Aktion und Inspiration gleichermaßen bietet. Mit seiner Länge von 16 Kilometern und sechs Kilometern Breite bei bis zu 81 Metern Tiefe ist der Ammersee nicht nur ein schöner Badesee, sondern lädt außerdem ein zum Segeln, Surfen, Angeln, Wandern, Radeln – oder auch zu der einen oder anderen Dampferfahrt.

Der Ammersee ist der drittgrößte See in Bayern. Hier zu sehen ist das Ufer von Schondorf.

Auf dem Weg zum See können Fußballfans des FC Bayern München eventuell mit viel Glück Thomas Müller in seinem Heimatort Pähl begegnen.
Am See angekommen, empfiehlt sich beispielsweise ein kleiner Rundgang durch die am Wasser gelegenen Ortschaften wie Herrsching, Diessen oder Schondorf.

Die Spuren der Krone

Am Starnberger See kann man entspannt durch den einen oder anderen Ort spazieren gehen – so hat beispielweise Starnberg eine schöne Uferpromenade, die zum Flanieren und Verweilen einlädt.

Der Starnberger See mit Blick auf die Roseninsel.

Die umliegende Region des Sees bietet aber auch das eine oder andere Ausflugsziel, welches man bequem mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad erreichen kann. Ich persönlich lasse es mir in meinen Urlauben nicht nehmen, mich immer wieder auf´s Neue auf die Spuren von Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als „Sisi“, zu begeben. Daher zieht es mich regelmäßig nach Feldafing und Possenhofen. Mehr dazu lest ihr in meinem Beitrag „Sisi. Gelebte Historie“.

Wer sich ebenfalls für einen Spaziergang rund um die ehemalige Sommerresidenz der herzöglichen Familie entscheidet, der kann zudem folgendes entdecken: In unmittelbarer Nähe hat man vom Ufer aus freie Sicht zum gegenüberliegenden Ostufer und auf die Votivkapelle von Berg. Sie wurde dort zum Andenken an König Ludwig II. von Bayern errichtet. Am Ufer vor der Kapelle steht im Wasser ein schlichtes Holzkreuz, das die Stelle kennzeichnet, an welcher der König 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen den Tod fand und sein Leichnam entdeckt wurde.

Die Votivkapelle am Ufer in Berg.

Aber nicht nur Persönlichkeiten aus der Vergangenheit machen den Starnberger See noch heute zu einem beliebten Ausflugsziel. Nirgendwo in Deutschland leben mehr Millionäre: seit eh und je ist die Region Treffpunkt der Schönen, Reichen und Berühmten. Mit etwas Glück kann man hier auch dem einen oder anderen Prominenten begegnen – wie beispielsweise (meinem Lieblings-) Schauspieler Florian David Fitz, der, Instagram zufolge, gerne hin und wieder mit seinem Hund vor Ort spazieren geht.😉
Bekannt ist der Schauspieler mit Sicherheit vielen Frauen aus der Fernsehserie „Doctor´s Diary“. Zu Hause ist der geborene Bayer allerdings in einer anderen Region des Landes und richtet sich dort ein schönes Zuhause in einer Villenkolonie ein.

Hoch hinaus

Wer statt am See zu flanieren lieber etwas sportlicher unterwegs ist, der findet im Pfaffenwinkel zahlreiche Rad- und Wanderwege. Besonders bekannt ist der „König-Ludwig-Weg”. In Erinnerung an den bayerischen Märchenkönig wurde dieser Wanderweg, der durch die Landschaft des Voralpenlandes führt, 1977 eröffnet. Die Route auf königlichen Spuren beginnt am Starnberger See und führt weiter über das Kloster Andechs zum Ammersee. Von dort aus geht es zum bekannten Kloster Wessobrunn und weiter auf den Hohen Peißenberg.

Ein Blick vom Hohen Peißenberg im Pfaffenwinkel.

Oben auf dem Berg lohnt sich nach einem Besuch der Wallfahrtskirche und der Besichtigung der ältesten Bergwetterstation der Welt eine Rast im Terrassen-Café-Restaurant „Bayerischer Rigi“ – traumhaftes Alpenpanorama inklusive.

Traumhaftes Alpenpanorama – die Sicht vom Hohen Peißenberg.

Am Fuße des Berges locken regionale Spezialitäten in den Landgasthof „Hetten“. In rustikalem Ambiente lässt es sich hier besonders gut speisen.

Weiter geht es durch die romantische Ammerschlucht nach Rottenbuch und zur wohl berühmtesten Rokoko-Kirche der Welt, der Wieskirche (UNESCO-Weltkulturerbe). Höhepunkt, beziehungsweise Start- und Endziel des König-Ludwig-Weges, ist die mittelalterliche Stadt Füssen. Hier ziehen die Schlösser Hohenschwangau und das berühmte Märchenschloss Neuschwanstein jährlich zahlreiche Besucher in ihren Bann.

Ein Blick von Neuschwanstein rüber nach Hohenschwangau.

Spuren der Römer

Als zusätzliches Schmankerl für Besucher sei an dieser Stelle noch Schongau genannt. Das Schongauer Land mit der mittelalterlichen Stadt und ehemaligen Klöstern liegt an der Romantischen Straße. Der Ort ist das selbsternannte Tor zum Pfaffenwinkel und bietet nicht nur sportlich Ambitionierten geeignete Aktivitäten, sondern überzeugt auch Familien mit Kindern sowie die ältere Generation.
Seine Existenz verdankt der Ort übrigens den Römern: In unmittelbarer Nähe verläuft die so genannte Römerstraße in Richtung Augsburg – welche Schlager- und Filmlegende eng mit der Region südlich von Augsburg verbunden ist, lest ihr hier.
Wer sich für die Spuren der Römer in der Umgebung von Schongau interessiert, dem empfehle ich einen Besuch des Schongauer Stadtmuseums – genauer gesagt der archäologischen Abteilung. Außerdem vor Ort empfehlenswert: Ein Besuch der mittelalterlichen Altstadt mit ihren historischen Gebäuden, ein Rundgang um die weitgehend erhaltene Stadtmauer sowie eine anschließende Einkehr in das gotische „Ballenhaus“ auf dem Marktplatz – mit direktem Blick auf die barocke Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Dominikus Zimmermann.
Wer bei seinem Spaziergang durch die Straßen genau hinsieht, wird übrigens vielleicht sogar die eine oder andere Szene aus der Heimatfilm-Reihe „Marie fängt Feuer“ wiedererkennen.😉

In der Altstadt von Schongau lassen sich italienische Speisen im „Ballenhaus“ (Bildmitte) genießen – einen schönen Blick auf den umliegenden Marienplatz gibt es inklusive.

Auf weitere Spurensuche der römischen Vergangenheit am Alpenrand kann man sich auf einem Rundweg von Schongau nach Peiting begeben: In unmittelbarer Nähe zu Peiting befindet sich die „Villa Rustica“ – ein „Haus auf dem Land“. Das bedeutende römische Bodendenkmal, welches nach archäologischen Erkenntnissen wohlmöglich bis in die Mitte des 4. Jahrhunderts genutzt wurde, zählt in Süddeutschland zu den größten Anlagen seiner Art.
Für gewöhnlich bestand eine solche Anlage aus einem Wohnhaus nebst Wirtschaftsgebäuden und einem so genannten Badehaus. Zahlreiche Fundamente und Gebäudereste der Peitinger „Villa Rustica“ fielen jedoch nach ihrem Entdecken dem Bau einer Ferngasleitung sowie der Umgehungsstraße B17 zum Opfer. Bei späteren Ausgrabungen freigelegt werden konnte allerdings das Badegebäude, über dem anschließend ein so genanntes Schutzhaus errichtet wurde.

Die „Villa Rustica“ bei Peiting: Über dem freigelegten Badehaus des einst stattlichen römischen Landguts wurde ein Schutzhaus erbaut.
Die Reste des zwischen 2000 und 2003 freigelegten Badehauses der Peitinger „Villa Rustica“.

Die Alpenregion hat aber noch so viel mehr zu bieten: Wer sich beispielsweise für Architektur interessiert, wird die Kirchen, zahlreichen Stuckkunstwerke und himmlischen Freskenmalereien des Schongauer Landes lieben. 

Eine Rundreise durch den Pfaffenwinkel und zu eigens ausgewählten Ausflugszielen lässt nun folgenden Schluss zu: Hier findet sich Kulturkost in geballter Form – mit der Aussicht auf Ferien fürs Herz.                               

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