Münchner Momente erleben
Wie ihr ja nun vielleicht bereits von mir wisst, habe ich unter anderem bayerische Wurzeln und verbringe daher immer wieder besonders gerne Zeit in Bayern. Dieses Mal heißt es: Eine Woche Auszeit in München. Eine Woche Seele baumeln lassen, genießen und entdecken. Man glaubt es nicht – aber auch wenn man, so wie ich, jahrelang zumindest für ein/zwei Tage in München unterwegs war, hat diese Stadt doch immer wieder neue Eindrücke zu bieten.
Um das Urlaubsfeeling perfekt abzurunden, habe ich darüber hinaus auch noch ausgewählte Ausflüge in die Umgebung unternommen. Die kurze Zeit mit möglichst vielen Highlights zu füllen, war eine Herausforderung – und noch dazu ein ziemlich sportliches Programm. Also dann, los geht´s … 👟
Königliche Luft schnuppern in Nymphenburg
Münchner Ecken entdecken
Französischer Charme in Haidhausen
Flott geht´s zu auf der Eisbachwelle
Ein kleiner Exkurs in die deutsche Vergangenheit
Über den Dächern der Stadt
Venezianische Eindrücke & Zeitreisen in Giesing
„Sommer in der Stadt“
Mein Hotel befindet sich im Münchner Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg (tatsächlich sogar in der Nähe der ehemaligen Wohnung einer Verwandten) und von der nächst gelegenen Station aus gelangt man mit der Straßenbahn (in München offiziell Tram genannt) bequem innerhalb kurzer Zeit in die Innenstadt. Eine besonders beliebte Anlaufstelle ist dort der zentral gelegene Karlsplatz – auch als Stachus bekannt (Bilder unten). Hier verkehren regelmäßig die Züge diverser S-, U- und Trambahnlinien, kreuzen Autos und Busse – hier begegnen sich Radfahrer und Fußgänger.


Die Kaufinger Straße, abgehend vom Stachus, ist eine der ältesten Straßen Münchens und eine beliebte Einkaufsmeile für Jung und Alt. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten sind entlang dieser Ost-West-Achse zwischen Karlstor und Isartor und in Nord-Süd-Richtung zwischen Schwabing und Sendlinger Tor zu bewundern und auch zu besichtigen: Der zentral gelegene Marienplatz mit dem beeindruckenden Rathaus, die nahe gelegene Frauenkirche mit ihren zwei markanten Türmen (Bild rechts), der „Alte Peter“ – wie die Münchner den Turm der Peterskirche, der ältesten Pfarrkirche Münchens, nennen – und natürlich auch der Viktualienmarkt, der Odeonsplatz mit der königlichen Residenz, der Theatinerkirche und der Feldherrnhalle sind an dieser Stelle exemplarisch zu nennen. Mein Streifzug führt mich über Stachus (kleines Bild oben links) und Kaufinger Straße schließlich in Richtung Stadtmitte, unter anderem zur Julia-Statue (kleines Bild unten links) am Alten Rathaus.



Nachdem ich am zweiten Tag einen Ausflug in die Umgebung unternommen habe, geht es anschließend erneut vom Stachus über die Kaufinger Straße in Richtung Rathaus – und weiter bis zum Viktualienmarkt, wo ich abends eine kleine Stärkung zu mir nehme.


Inmitten des Stadttrubels lässt sich die Biergartenromantik hier in vollen Zügen genießen. Gesättigt und mit zahlreichen Eindrücken des Tages im Gebäck, geht es für mich schließlich zurück zum Hotel.
Königliche Luft schnuppern in Nymphenburg
Der Mittwoch beginnt mit einem Frühstück mit Ausblick: Ich befinde mich im Garten von Schloss Nymphenburg. Ein Italien-Fakt am Rande: Die Schlossanlage wurde seinerzeit ursprüngglich als Lustschloss nach Art italienischer Landvillen konzipiert.



Nach einem kurzen Stopp im Schlossgarten zieht es mich auf dem imposanten Gelände weiter in den hinter dem Schloss gelegenen weitläufigen Park (dessen italienischer Beiname übrigens „Borgo della ninfe“ heißt) mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Wer aufmerksam hinsieht, wird hier immer wieder auf Kopien italienischer Statuen stoßen.


Ich habe mich für einen Spaziergang in Richtung Badenburg entschieden. Das Gebäude besitzt als Badeanlage eine lange Tradition – verortet ist es am gleichnamigen See im Landschaftsgartenteil des Schlossparks.
Der nach Plänen des Architekten Leo von Klenze erbaute Apollo-Tempel, der sich am Ufer des Badenburger Sees befindet, beinhaltet eine Stele mit einer Widmung des bayerischen Königs Ludwig I. und zählt zu den beliebtesten Fotomotiven des Areals. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer künstlichen Quelle vorbei, die aus aus einem Felsen hervorbricht: dem Pan-Denkmal.




Von hier führt mich der Weg zurück in Richtung Amalienburg. Am Kanal entlang gehend, kommt man auf halber Strecke am so genannten „Dörfchen“ vorbei, dessen Mittelpunkt das barocke Pumpenhaus (Grünes Brunnhaus) darstellt.


Meine vorletzte Station im Nymphenburger Schlosspark ist schließlich die Amalienburg. Als Lust- und Jagdschlösschen kann das Gebäude gegenüber der Magdalenenklause (deren Eingangsfassade eine Anspielung auf italienische Ruinen aufweist) als hervorragendes Beispiel für die Bauweise des Rokoko gesehen werden. Der äußerlich eher schlichte Bau war seinerzeit ein Geschenk des Kurfürsten Karl Albrecht an seine Ehefrau Maria Amalia. Erst im Inneren kommt der Reiz des Gebäudes voll zur Geltung: Schnitzereien, Stuckarbeiten, auf Stofftapeten gemalte und gewachste Wanddekorationen, holländische Fliesen und ein kreisrunder Spiegelsaal beeindrucken den Besucher.

Vom „Baum der Ewigen Liebe“ ausgehend, begebe ich mich schließlich wieder in Richtung der Auffahrtsallee vor dem Schloss.

Welche historischen Hinterlassenschaften außer Schloss Nymphenburg noch eng mit dem bayerischen Märchenkönig verbunden sind, lest ihr in meinem Blogbeitrag Königliche Ecken in Bayern.
Münchner Ecken entdecken
Zurück im Zentrum Münchens: Ein kleines Ausflugsziel befindet sich im Hof der KPMG (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) an der Ganghoferstraße 69: die „Endlose Treppe“. „Umschreibung“ nennt sich dieses Kunstwerk von Olafur Eliasson. Bisher haben sich verhältnismäßig wenig Touristen hier auf die Schwanthalerhöhe verirrt – somit ist ein Foto auch ganz ohne Besucheransturm möglich.

Von der „Endlosen Treppe“ geht es anschließend weiter in Richtung Innenstadt, genauer gesagt zum Odeonsplatz. Schon gewusst? Der Platz symbolisiert die enge Beziehung zwischen München und Italien. Die imposante Feldherrnhalle ist im italienischen Stil erbaut und der Loggia dei Lanzi in Florenz nachempfunden.


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Das italienische Original, verortet an der der Piazza della Signoria in Florenz.
Das bayerische Denkmal wurde 1841-1844 im Auftrag von König Ludwig I. in München erbaut – die italienischen Künste hatten es ihm angetan. Durchaus verständlich, wie ich finde😉
Vor Ort auf dem Odeonsplatz werfe ich mal einen Blick in die berühmte gelbe katholische Kirche St. Kajetan in München – den meisten wohl eher unter dem Namen Theatinerkirche bekannt. Wie man hier sieht, überrascht einen die Kirche mit einem interessanten Farbkontrast:


Nur wenige Gehminuten vom Odeonsplatz entfernt, befindet sich neben der königlichen Residenz – deren Besichtigung sich auf alle Fälle lohnt – die Bayerische Staatsoper. Beides Top-Adressen für kulturbegeisterte Besucher der Stadt. Natürlich wird auch hier ein kurzer Stopp eingelegt und die Kamera gezückt.

Wenig später bin ich schließlich am Marienplatz angekommen, wo sich – wie jeden Tag – zahlreiche Touristen und Einheimische tummeln.

Gegen Abend mache ich mich erneut auf den Weg zum Viktualienmarkt, um dort ein Rauchzipferl zu essen und gemütlich noch einen Fruchtsaft zu trinken. Natürlich darf für mich als absoluten Italienfan auch dieses Mal ein Besuch der nahe gelegenen Schrannenhalle nicht fehlen: Die ursprüngliche Halle neben dem Viktualienmarkt wurde früher als Markthalle zum Verkauf von Getreide genutzt und dafür mit dem süddeutschen Begriff Schranne benannt. Heute ist hier die deutsche Filiale einer italienischen Feinkostkette vertreten.


Französischer Charme in Haidhausen
Der nächste Tag steht anfangs mal wieder ganz im Zeichen der Drehort-Suche und führt mich in den Stadtteil Haidhausen – zu finden ist hier in einem Wohnblock der Drehort der BR-Fernsehserie „Die Hausmeisterin“ mit den Hauptdarstellern Veronika Fitz und Helmut Fischer. Mehr dazu lest ihr in meinem Beitrag Hinter den Kulissen – Teil 1.
Nahe des Drehortes habe ich ein kleines Café (Café la Maison) aufgetan. Hier zeigt sich einmal mehr, welchen Charme die Stadtteile im Gegensatz zur oftmals sehr überfüllten Innenstadt zu bieten haben.


Bei bestem Wetter steht anschließend ein Besuch des Englischen Gartens an. Hier kann man beim gemütlichen Flanieren nicht nur direkt die Zeit vergessen, sondern mit viel Glück sogar den einen oder anderen Promi sichten – in meinem Fall ist es Schauspieler und Moderator Thore Schölermann, der mit seinem Fahrrad an mir vorbeiradelt.


Flott geht´s zu auf der Eisbachwelle
Ein gleichermaßen beliebter Hotspot für Surfer, Zuschauer und Fotografen vor Ort ist der Eisbach, genauer gesagt die Eisbachwelle – gelegen am südlichen Rand des Englischen Gartens. Hier messen sich Surfer regelmäßig an der Kraft der tosenden Welle.

Ein kleiner Exkurs in die deutsche Vergangenheit
Vom Eisbach aus geht es für mich auch heute nochmal in Richtung Odeonsplatz. Unweigerlich komme ich dabei am Haus der Kunst vorbei. Das Gebäude wurde 1933 bis 1937 an der Prinzregentenstraße im Auftrag Hitlers von dem Architekten Paul Ludwig Troost als Haus der Deutschen Kunst errichtet. Neben seiner Funktion als Ausstellungsgebäude erinnert das Bauwerk heute an die schlimmen Folgen des Missbrauchs der Kunst und die sogenannte Gleichschaltung des Volkes in allen Bereichen des täglichen Lebens im Dritten Reich. Künstler und ihre Kunstwerke, die nicht dem NS-Ideal entsprachen, wurden als entartet bezeichnet.
Die sogenannte moderne Kunst wie zum Beispiel Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus und Kubismus wurde als Sittenverfall gebrandmarkt und die Werke als kranke jüdisch-bolschewistische Machwerke diffamiert. Dies galt grundsätzlich auch für alle anderen Bereiche der Kunst: Musik, Theater, Literatur etc., wobei besonders jüdische und kommunistische Künstler sofort Berufs-, Mal- und Auftrittsverbote erhielten. Ihre Kunstwerke wurden entfernt, enteignet, vernichtet oder im Ausland verkauft. Man drängte die betroffenen Künstler schließlich zur Emigration oder ermordete sie beispielsweise in Konzentrationslagern.

Hitler und seine Helfer gehen nach der Machtübernahme in ganz Deutschland zum offenen Terror gegen Juden über. Ab 1933 wurden auch hier in München die jüdischen Bewohner der Stadt Opfer des Rassenwahns. Sie wurden entrechtet, gedemütigt, verletzt und getötet. Ihre Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert, ihre Synagogen zerstört. Versuchte man anfangs mit diesen Maßnahmen die Juden ins Exil zu drängen, so änderte sich das spätestens mit Beginn des 2. Weltkrieges: Die Vernichtung der „jüdischen Rasse“ in Konzentrationslagern war nun das erklärte Ziel der Nazis. Von den etwa 12000 Juden, die vor 1933 in München wohnten, erlebten nur circa 80 das Kriegsende in der Stadt und nur noch um die 160 Überlebende aus Konzentrationslagern kehrten in den folgenden Wochen in ihre Heimatstadt zurück. Aber bereits im Juli 1945 – kurz nach dem Verschwinden des Naziregimes – wurde die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) neu gegründet und damit erfolgte dann auch nach und nach gleichermaßen die Rückkehr jüdischen Lebens in die bayerische Hauptstadt.
Das Jüdische Museum am Sankt-Jakobs-Platz gibt heute seinen Besuchern aus der jüdischen Perspektive heraus Einblicke in die Stadtgeschichte Münchens.

Einen weiteren Einblick in die deutsche Vergangenheit erhält man bei einem Besuch der Ludwig-Maximilian Universität – in der ich mich auf meinem Stadtrundgang nun auch ein wenig umsehe: An einer Wand in der Haupthalle zeugt hier eine Auflistung von Namen der Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ von dem Mut und der Opferbereitschaft meist junger Menschen im Kampf gegen die NS-Tyrannei.

Die Dauerausstellung „Die Weiße Rose. Widerstand gegen die NS-Diktatur“ in der DenkStätte Weiße Rose im Lichthof der LMU verdeutlicht die Widerstandsaktivitäten der Gruppe um Hans und Sophie Scholl. Die meisten Mitglieder der „Weißen Rose“ wurden damals für ihren gewaltfreien Widerstand zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Über den Dächern der Stadt
Im Anschluss an den Besuch der LMU geht es über den Odeonsplatz weiter zum Stachus. Von hier aus mache ich mich auf in die Adolf-Kolping-Straße. Wer hier das Parkhaus betritt, an der Kasse vorbeigeht und die Treppen in den vierten Stock hinaufsteigt, wird überrascht sein: Hier oben befindet sich eine angesagte Rooftop-Bar.

An diese Liedzeile der Münchener Band Jamaram muss ich unweigerlich bei dieser Szenerie denken.
Nach dem Genuss eines Cocktails mit Blick auf die Frauenkirche begebe ich mich jetzt in Richtung Neuhausen und mache dort noch einen kleinen Abstecher ins Neuhauser Augustiner. In guter Gesellschaft und bei leckerem Essen lasse ich den Tag hier ausklingen.


Venezianische Eindrücke & Zeitreisen in Giesing
Der Start in den darauf folgenden Tag steht unter dem Motto „Zeitreise“: Im Münchner Stadtteil Giesing befindet sich eine „Zeitkapsel“ – eine Telefonzelle, in deren Innerem man interessante Geschichten und Vergangenes aus dem Münchner Stadtteil erzählt bekommt.

Von der „Zeitkapsel“ aus gelangt man fußläufig nach Klein-Venedig. Natürlich darf ich mir auch hier einen Besuch nicht entgehen lassen und mache über das Viertel einen Schlenker in Richtung meiner ausgewählten Haltestelle.

Da mich mittags der Hunger überkommt, statte ich dem Kulturcafé „Gans Woanders“ einen Besuch ab. Mein Fazit: Diese Lokalität, mit der wohl größten Terrasse Münchens inmitten grüner Baumkronen, fällt mit Recht in die Kategorie „gmiatlich & alternativ“.

„Sommer in der Stadt“
Mein Weg führt mich von Giesing schließlich an die Isar. In der Mittagszeit ist es hier noch relativ ruhig und man kann sich zu einem kleinen Schläfchen gemütlich auf die Wiese legen. Liegefläche findet man an der Uferpromenade zur Genüge. Ein kleines Highlight für Filmfans dürfte übrigens der Fakt sein, dass diverse Szenen des Films „Willkommen bei den Hartmanns“ hier gedreht wurden (mehr dazu lest ihr in meinem Beitrag Hinter den Kulissen – Teil 1. )

Im Rahmen der Veranstaltung „Sommer in der Stadt“ hat München übrigens auch einiges an Open-Air-Programm-Attraktionen und Kultur-Events zu bieten. Darunter fallen neben Stadtteilfesten und Konzerten auch ausgewählte gastronomische Angebote und ein ausgefeiltes Kulturprogramm. Ich habe mich angesichts der tollen Location für den Kultursommer an der Isar entschieden und es mir auf dem Isarbalkon mit einem Kaltgetränk gemütlich gemacht.

Wenn man schon mal vor Ort ist, sollte man sich auch die abendliche Stimmung an der Isar nicht entgehen lassen: Es ist durchaus einladend, wenn sich zahlreiche Menschen am Wasser einfinden, um bei einem Bierchen oder ähnlichem zusammenzusitzen, zu quatschen und zu relaxen.


Nach ausgiebig verbrachter Zeit an der Isar geht es gegen Abend schließlich wieder zurück ins Hotel – natürlich darf in diesem Zusammenhang ein erneuter Abstecher in die Innenstadt nicht fehlen. Auf dem Weg kann ich mich nach wie vor gar nicht satt sehen an den tollen Motiven, die einem die Stadt auch zu nächtlicher Stunde zu bieten hat.

Der letzte Tag führt mich nochmal in die Umgebung der Stadt – ich habe mich für einen Ausflug an den Ammersee entschieden – mehr dazu hier.
Zurück in München genieße ich beim Abendessen im Biergarten auf dem Viktualienmarkt ein nettes Gespräch mit einer Reisebekanntschaft. Ein letztes Mal mache ich mich schließlich von hier aus auf den Weg zum Hotel – werfe im Vorbeigehen nochmal einen Blick auf das Rathaus und denke mir: München ist keine Stadt. München ist ein Lebensgefühl❣️

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