Mythos und Hinterlassenschaften des Märchenkönigs Ludwig II.
Ludwig II. liebte die bayerischen Alpen wie kein anderer. Sie waren für ihn das Sinnbild seiner romantischen Gefühle. Hier fühlte er sich wohl, hierhin zog er sich gerne allein zurück oder genoss die Gesellschaft des Komponisten Richard Wagner. Im Voralpenland hinterließ er der Nachwelt mit seinen Königsschlössern atemberaubende Bauwerke, die bereits kurz nach seinem Tod zu beliebten Ausflugszielen für Touristen aus aller Welt werden sollten.
Seit vielen Jahren schon interessiere ich mich für eben diese Prachtbauten, die im Zusammenhang mit dem Märchenkönig stehen – ebenso wie für das Leben des einstigen bayerischen Monarchen selbst… Darüber hinaus auch gleichermaßen für das seiner Cousine Elisabeth zu Bayern, kurz Sisi genannt, die mit ihm und seiner Lebensgeschichte eng verbundenen war. Die beiden bayerischen Persönlichkeiten pflegten eine innige verwandtschaftliche Beziehung zueinander, fühlten sich sogar seelenverwandt.
Auf königlichen Spuren unterwegs
Rückzug in eine romantische Märchenwelt
› Schloss Nymphenburg
› Schloss Hohenschwangau
› Das Königshaus am Schachen
› Schloss Neuschwanstein
› Schloss Linderhof
› Schloss Herrenchiemsee
Das Ende am Starnberger See
Was bleibt …
In Kultur & Film sowie in Sport & Gastronomie verewigt
Faszination Alpenland
Auf königlichen Spuren unterwegs
Wer so wie ich gerne auf königlichen Spuren wandelt, wird in Bayern an vielen Orten mit wahrhaft majestätischen Ausblicken belohnt: König Ludwig II. erwies sich bei den von ihm in Auftrag gegebenen Schlössern als ein Bauherr mit überaus viel Phantasie. Seine Schlösser sind als weltweit bekannte bauliche Zeugnisse europäischer Kultur geradezu jedem ein Begriff.
Der Monarch frönte Zeit seines Lebens jedoch nicht nur dem Schlösserbau – er war auch gerne und oft in der Natur unterwegs. Wer sich heutzutage auf seine Spuren begeben möchte, dem kann ich an dieser Stelle den „König-Ludwig-Weg“ empfehlen. Der auf Karten und Schildern mit einem blauen „K“ mit Krone auf weißem Grund gekennzeichnete Weg ist etwa 130 Kilometer lang und beginnt an der nahe Schloss Berg gelegenen Votivkirche am Starnberger See. Über Starnberg geht es weiter zum Kloster Andechs und von dort nach Herrsching und Dießen am Ammersee. Der Weg führt anschließend über Wessobrunn nach Paterzell. Eine weitere Station des Königs: der Hohe Peißenberg. Am Fuße des Berges liegt im Ortsteil Hetten der gleichnamige Gasthof, den der Monarch damals gerne während seiner Wandertouren aufsuchte. Dem König-Ludwig-Weg weiter folgend kommt man durch die Ammerschlucht nach Rottenbuch und später zur wohl berühmtesten Rokoko-Kirche der Welt, der Wieskirche (UNESCO-Weltkulturerbe). Über Steingaden und Prem geht es nun zu den Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Endziel des Weges ist die mittelalterliche Stadt Füssen.
Ein Ort, der darüber hinaus im Zusammenhang mit König Ludwig genannt werden kann, ist Oberammergau im Ammertal.

Der Ort am Fuße des Kofel ist heute weltweit für seine Passionsspiele bekannt. Im Jahr 1871 fand zu Ehren König Ludwigs II. eine Sonderaufführung der Festlichkeiten statt. Zum Dank stiftete Ludwig den Passionsspielern das Denkmal der Kreuzigungsgruppe, welches man auf dem Osterbichl besichtigen kann.
Apropos Passionsspiele: Im Rahmen dieser Aufführung – in der die Dorfbewohner die letzten Tage im Leben Jesu nachspielen – erlernte übrigens auch Gabriel Raab, aufgewachsen in Oberammergau, seine ersten Erfahrungen als Schauspieler. Man kann ihn unter anderem als Mitglied im Ermittler-Team des „Bozen-Krimis“ oder als engagierten Feuerwehrmann in der Heimatfilm-Reihe „Marie fängt Feuer“ erleben.
Ein Besuch des beschaulichen Ortes lohnt sich aber auch außerhalb der Festspielzeit. Ein Rundgang lässt erahnen, dass hier nicht nur die Passionsspiele ihr Zuhause haben – Oberammergau ist geprägt von zahlreichen ortsansässigen Kunsthandwerkern und seinen mit Lüftlmalereien verzierten Häusern. Und für mich als Italienfan natürlich ein besonderes Schmankerl: Inzwischen haben sich hier auch viele Italiener niedergelassen und Restaurants sowie Eisdielen eröffnet, die einem leckere Speisen und Eissorten anbieten.


Im Jahr 1867 wurde die Verlobung von Ludwig II. mit seiner Cousine Sophie, der jüngeren Schwester von Sissi, bekannt gegeben. Sie sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Mit einer etwas fragwürdigen Begründung löste der junge König die Verlobung wieder auf… Seit jeher schon zog es Ludwig aber immer wieder zu Elisabeth – war sie doch ihrerseits ebenso exzentrisch und teilte darüber hinaus sein großes Interesse an Kunst und Kultur. Nicht selten trafen sie sich beispielsweise ungestört auf der Roseninsel – gelegen im Starnberger See. Hier konnten sich die zwei Einzelgänger, die beide mit den ihnen auferlegten höfischen Regeln und Protokollen nicht zurecht kamen, austauschen und ihren Gedanken freien Lauf lassen.
Der Starnberger See hat jedoch auch in anderer Hinsicht für die beiden eine besondere Bedeutung: Sisi verbrachte hier ungestört ihre Jugend in der Sommerresidenz der Familie – im Schloss Possenhofen -, während Ludwig gegen seinen Willen die letzten Tage seines Lebens auf der gegenüberliegenden Seeseite auf Schloss Berg verbringen musste…
Schon früh war war die Gegend um den Starnberger See für ihn ein bevorzugter „Rückzugsort“. Das galt jedoch auch für die Region um Kochel. Der Lieblingsberg des Märchenkönigs war seinerzeit der Herzogstand – ein Berg nordwestlich des Walchensees, der oberhalb des Kochelsees liegt.


Die Gegend um Kochel- und Walchensee ist seit jeher auch immer eines meiner Reiseziele vor Ort. Beide Seen sind auch beliebte Tagesausflugsziele für Bewohner aus dem Großraum München. Wanderwege gibt es hier viele, Zugänge zum Wasser sind dagegen eher rar. Bei einem Spaziergang am jeweiligen Ufer hat man einen herrlichen Blick auf die umliegende Landschaft und den See gleichermaßen.
Rückzug in eine romantische Märchenwelt
Wer mag, kann sich nun mit mir auf eine Rundreise zu den bayerischen Königsschlössern begeben und erfährt nebenbei das eine oder andere Detail zu Schloss Nymphenburg, Schloss Herrenchiemsee, Schloss Linderhof, Schloss Hohenschwangau – und zum Märchenschloss (Schloss Neuschwanstein) selbst.
Schloss Nymphenburg
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben“ – der Satz des damaligen Königs von Bayern ist heute noch vielen seiner Landsleute bekannt. Mystik und Geheimnisse ranken sich tatsächlich auch bis in die Gegenwart hinein um die Person des Märchenkönigs. Geboren wurde der Monarch am 25. August 1845 im Schloss Nymphenburg – ursprünglich ein 1662 nach italienischen Vorbildern in München errichteter Pavillon („Lusthauß Nymphenburg“), später von Kurfürst Max Emanuel zu einer eindrucksvollen Schlossanlage ausgebaut, die von den bayerischen Herrschern in der Folgezeit als Sommerresidenz genutzt wurde.

Bereits die Kindheit Ludwigs war geprägt von Pflichten und damit einhergehendem Entzug vieler Dinge. Ob sich seine späteren Vorstellungen hinsichtlich „seiner Schlösser“ und ihrer jeweiligen Ausstattung bewusst von seinen Kindheitserinnerungen (die Einrichtung von Schloss Nymphenburg ist deutlich vom – damals aus Frankreich übernommenen – Empire-Stil geprägt) absetzten, sei an dieser Stelle dahingestellt.


Geboren in der bayerischen Hauptstadt, fühlte sich der phantasie- und gefühlvoll veranlagte junge Ludwig schon früh zur Natur hingezogen und liebte außerdem die bayerische Kulturlandschaft.
Schloss Hohenschwangau
Eine nicht unwesentliche Zeit seiner Kindheit verlebte Ludwig mit Vater Maximilian II., Mutter Marie und dem jüngeren Bruder Otto auf Schloss Hohenschwangau. Dort kam er schon früh mit der Sagenwelt des Mittelalters in Berührung, was ihn zeitlebens prägte. Im Füssener Land konnten die Familienmitglieder die Sommermonate des Jahres genießen und der gemeinsamen Leidenschaft des Wanderns nachgehen.
Wenn man heutzutage vor Ort die Parkplatzsuche ohne hoffentlich größere Nervenkrise überstanden hat, kann man sich auf den Weg zum Ticket Center machen und mit der Eintrittskarte in der Hand beginnt anschließend die Schlössererkundung auf königlichen Spuren.

Während der Aufstieg zu Schloss Neuschwanstein doch eher – gerade bei heißen Temperaturen – beschwerlicher ist, hat man das Tor zu Schloss Hohenschwangau nach vergleichbar kurzer Zeit erreicht.
Wer das Schloss mitsamt seiner Außenanlage bereits besichtigt hat, der weiß: Allgegenwärtig ist das Motiv des Schwans. Das Tier war seinerzeit als das historische Wappentier der Herren von Schwangau bekannt. Ludwigs Vater, der sich als deren Nachfolger sah, übernahm somit diese Tradition und ließ das Motiv in die Gestaltung Hohenschwangaus mit einfließen. Auch Ludwig folgte dieser Ansicht und gestaltete seinerseits sein späteres Märchenschloss nach diesen Vorstellungen. So kann man als Besucher Neuschwansteins das Tier deutlich als Lieblingsmotiv des Königs ausmachen.




Die Innenräume Hohenschwangaus, im Besonderen zahlreiche Wände, sind geprägt von eindrucksvollen Wandgemälden mit Themen aus der mittelalterlichen Sagenwelt. Die Inneneinrichtung aus dem 19. Jahrhundert ist bis heute erhalten und kann besichtigt werden.
Mit dem Beginn seiner Regentschaft 1864 reduzierte sich zunehmend Ludwigs geliebter Freiraum in der Füssener Bergwelt, in die er sich zur Sommerfrische – immer nur zu gerne mit der Familie oder auch alleine – zurückzog, um dem Leben in München zu entfliehen …
Das Königshaus am Schachen
Das erste „Schloss“ beziehungsweise Bauwerk, welches Ludwig II. erbauen ließ, war von 1869 bis 1872 das Königshaus auf der Schachenalpe bei Garmisch-Partenkirchen. Dort verbrachte er viele Aufenthalte im Gebirge und nutzte das Gebäude als Rückzugsort. Die dortige Einsamkeit und Abgeschiedenheit vom Trubel des sonstigen Lebens genoss der Monarch besonders an seinen Geburtstagen. Das Königshaus am Schachen gleicht auf den ersten Blick gesehen eher einem Schweizer Chalet als einem Schloss im herkömmlichen Sinn.
Schloss Neuschwanstein
Sein erstes richtiges Schloss-Projekt sollte eine sogenannte „Neue Burg Hohenschwangau“ sein, für die 1869 der Grundstein gelegt wurde. Ein Vorbild für den Bau des heutigen Schlosses Neuschwanstein war unter anderem die Wartburg. Für Innenräume und Höfe standen zum Teil – wen wundert es – Bühnenbilder von ausgewählten Wagner-Opern Pate. Ludwig bewunderte den Komponisten und war auch sein Mäzen.

Das früh geweckte Interesse des Königs für die mittelalterliche Ritterkultur und Einflüsse der musikalischen Sagenwelt Wagners spiegeln sich in vielen Details in Neuschwanstein wider.
Das Innere des Schlosses, auf dem der König insgesamt nur 172 Nächte verbrachte, blieb leider weitestgehend unvollendet, da finanzielle Probleme zu einem Baustopp führten. Die spätere Entmündigung Ludwigs II. durch die bayerische Regierung und die Übernahme der Regierungsverantwortung als Prinzregent durch Ludwigs Onkel Luitpold taten ein Übriges, die Baumaßnahmen an Neuschwanstein – und später auch an Schloss Herrenchiemsee dauerhaft zu beenden.
Das pompöse Schloss des bayerischen Märchenkönigs ist weltberühmt und zieht jährlich Besuchermassen in seinen Bann. Auch ich mache hin und wieder gerne einen Abstecher hierhin und lasse mich vor Ort in eine längst vergangene Zeit zurück transportieren.

Ein Aufstieg zum Märchenschloss ist besonders an heißen Sommertagen jedoch ziemlich schweißtreibend. Wer mag, kann sich stattdessen in einer Kutsche nach oben fahren lassen.
Doch ich finde, es lohnt sich, den Weg zu Fuß auf sich zu nehmen und mit anderen Besuchern gemeinsam nach oben zu wandern. Nicht nur das Schloss selbst, sondern auch die umgebende Landschaft sind auf jeden Fall einen Blick wert.
Im Schlossinnenhof warten regelmäßig zahlreiche Besucher aus aller Welt auf eine Führung durch die prunkvollen Räumlichkeiten.



Vom Schloss aus sollte man schließlich noch einen Abstecher zur Marienbrücke machen, die über die Pöllatschlucht führt und von der aus ein eindrucksvoller Blick auf Neuschwanstein und Umgebung möglich ist. Doch Achtung: Hier ist Ausdauer gefragt, denn eine lange Schlange vor der Brücke kostet einen ziemlich Nerven.


Mit dem Bau seiner Schlösser – hier Neuschwanstein – wollte Ludwig II. die Schönheit und das Märchenhafte manifestieren.
Schloss Linderhof
Als seinerzeit die königliche Familie in Hohenschwangau weilte, kamen Ludwig, sein Vater, seine Mutter und Bruder Otto oft auch ins nahegelegene Graswangtal. Ludwigs Vater ging dort seinem Hobby, der Jägerei, nach.
Vor Ort nutze Maximilian II. gern ein Nebengebäude des „Linderhof“, eines Bauernhofs, eigens als Jagdhaus. Später, in den 1850er Jahren schließlich wurde das Gebäude zum sogenannten „Königshäuschen“ umgebaut.

Im Jahr 1865 schrieb König Ludwig II. folgende Zeilen an Richard Wagner: „In der Ferne, am Ende des Tals, ragt die Kirche zu Ettal empor aus dem dunklen Tannengrün…“ Das von ihm beschriebene Tal ist das Graswangtal, dass er bis dahin des Öfteren mit seinem Vater besuchte, wenn sie Ausflüge zum Königshäuschen unternahmen. Mit den Bauarbeiten an Schloss Linderhof hatte der König bis dato noch nicht begonnen…

Am Standort des Königshäuschens ließ Ludwig II. schließlich dann ab 1870 Schloss Linderhof errichten. 1874 wurde das Königshäuschen, dessen bäuerlicher Charakter erhalten blieb, schließlich im Zuge der Baumaßnahmen an seinen heutigen Standort – westlich des Schlosses gelegen – versetzt.
Schloss Linderhof beziehungsweise die „Königliche Villa“ ist das einzige Schloss, das König Ludwig II. zu Lebzeiten fertigstellen lassen konnte und welches er auch für längere Zeit bewohnte.
Vorbild für sein Lieblingsschloss – in dem der menschenscheue König viel Zeit allein verbrachte und welches in unmittelbarer Nähe zum Passionsspielort Oberammergau liegt – ist ein sogenanntes Lustschloss. Vorreiter dafür war Frankreich: Hier wurden die kleinen Schlösser in einen großen Park gebaut. In Deutschland folgten viele Fürsten schnell diesem Trend und so fand man immer mehr dieser kleinen villenartigen Schlösschen in Parkanlagen größerer Schlösser.

Nur wenige Besucher bemerken, dass das prunkvolle Lieblingsschloss des Märchenkönigs überwiegend aus Holz besteht, mit Putz verkleidet und mit Steinfassaden versehen ist. Der im Vergleich zu seinen anderen Schlössern relativ kleine Bau ist jedoch gekennzeichnet von prachtvoller Ausstattung mit Goldverzierungen. Hinsichtlich der Inneneinrichtung und Gestaltung des Schlosses orientierte sich der König an seiner eigenen Vergangenheit beziehungsweise an seinen süddeutschen Vorbildern. Was bedeutet, es wurde vieles vom Rokoko-Stil der Ahnen übernommen – eben so, wie er es aus Nymphenburg kannte oder in den Räumen der Münchner Residenz sah.
Wie erwähnt, lebte Ludwig stets gerne allein und von den Menschen weitgehend abgeschieden. Um auch seinen Untertanen und Bediensteten möglichst nicht begegnen zu müssen, gab es in Schloss Linderhof daher die Vorrichtung eines Aufzugs, mit dem der für den Bayernkönig gedeckte Tisch direkt vom Erdgeschoss bis nach oben ins Speisezimmer transportiert werden konnte.
Den weitläufigen Park des Schlosses stattete Ludwig II. unter anderem mit einer künstlichen Grotte aus, die auch einen kleinen See beinhaltet. Dort sollten nächtliche Opernabende für den König stattfinden.


Ein weiterer seiner zahlreichen Rückzugsorte: ein Maurischer Kiosk – ebenfalls auf dem Gelände des Schlosses verortet. In dessen Räumlichkeiten genoss Ludwig II. Tee trinkend ruhige Stunden. Die entsprechende orientalische Kulisse wurde dem in Sultansgewand gekleideten König durch seine Wasserpfeife rauchenden Diener in passender Aufmachung geboten.

Gemeinhin bediente sich Ludwig bei der Gestaltung seiner Schlösser des französischen Stils des 17. und 18. Jahrhunderts und mengte dem Details aus der germanisch-mittelalterlichen Mythenwelt sowie orientalischen Märchenzauber hinzu. Auf diese Art und Weise erschuf der bayerische Märchenkönig ein wahres Sammelsurium an unterschiedlichsten Baustilen. Da er schnell begriffen hatte, dass es das Königtum, wie er es sich vorstellte, in der Realität nicht gab, versuchte er, sich seine Welt mittels seiner Traum-Schlösser selbst zu schaffen.
Schloss Herrenchiemsee
Auch sein letztes Bauvorhaben sollte Ausdruck eines Königtums sein, wie es ihm immer vorschwebte. Die Pläne für das neue Schloss wurden mehrfach geändert. Als Standort – ursprünglich war das Graswangtal bei Ettal vorgesehen – wurde schließlich die Insel Herrenchiemsee ausgewählt. 1878 begann mit der Grundsteinlegung des Schlosses Herrenchiemsee ein Bauprojekt mit wahrhaft gigantischen Ausmaßen.
König Ludwig XIV. von Frankreich, der sogenannte Sonnenkönig, war das Idol des bayerischen Königs – dessen Schloss in Versailles bewunderte der Monarch sehr. Nach einem Besuch dieses Prunkschlosses schrieb Ludwig II. 1874 an den Grafen Dürckheim-Montmartin von dem „endlich erschauten und angebeteten Versailles“. Nach dem Vorbild dieses Schlosses sollte nun auch sein Schloss Herrenchiemsee erbaut werden.

Während Ludwig sowohl in Neuschwanstein als auch in Linderhof zumindest des Öfteren verweilte, bewohnte er die bereits fertiggestellten Räumlichkeiten des erbauten Schlosses auf der Insel im Chiemsee nur einige Tage. Die Arbeiten wurden 1886 nach dem Tod des Königs eingestellt, so dass das Bauwerk weitgehend unvollendet blieb.

Eine Besichtigung der Gartenanlagen und Innenräume ist sehr zu empfehlen, auch wenn sich Teile des Gebäudes bis heute im Rohbauzustand befinden. In vorher leeren Räumen des Südflügels befindet sich jetzt das sehenswerte König-Ludwig II.-Museum.
Besagte Insel Herrenchiemsee kann per Schiff von der Anlegestelle in Prien besucht werden – ein kurzer Spazierweg führt von dort zum Schloss. Wer mag, kann es sich auch in einer Pferdekutsche gemütlich machen.

Das Ende am Starnberger See
Ein Aufenthalt auf Schloss Neuschwanstein sollte für den König das Aus in der für ihn ohnehin schon begrenzten Freiheit einläuten. Von dort wurde er nach seiner Entmündigung am 12. Juni 1886 nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht. Das dortige Anwesen war für den Monarchen früher ein beliebter Rückzugsort – nicht selten flüchtete sich Ludwig II. vor seinen Amtsgeschäften hierher und machte die Nacht sprichwörtlich zum Tag.
Hintergrund für die Entmündigung waren seinerzeit die Drohung ausländischer Banken mit Pfändungen und die Weigerung Ludwigs, auf dieses Vorgehen mit einer rationalen Reaktion zu antworten.
Die Internierung auf Schloss Berg war schließlich der Anfang vom Ende… Denn nur einen Tag später wurden die leblosen Körper Ludwigs II. und des Psychiaters von Gudden, der zuvor das Unmündigkeitsattest des Königs unterschrieben hatte, unweit des Ufers im See gefunden. An der Unglücksstelle ließ die Mutter nach Ableben Ludwigs II. eine Totenleuchte errichten.


Zehn Jahre nach dem Tod des Bayernkönigs veranlasste Prinzregent Luitpold schließlich den Bau einer Votivkapelle. Ein schlichtes Holzkreuz im Wasser kennzeichnet die einstige Unglücksstelle.


Wer den Sarg des „Kini“ sehen möchte, der muss in die bayerische Hauptstadt fahren. Dort befindet er sich in der Fürstengruft der St. Michaels Kirche.
Was bleibt …
Nach seinem Tod blieb es nicht aus: Die Schlösser des Bayernkönigs wurden zu Besuchermagneten schlechthin. Dabei sollten die Bauten seinerzeit nur für ihn selbst da sein – als Rückzugsort. Kein Fremder sollte die fantasievolle Gegenwelt Ludwigs II. je betreten…
Während die Königsschlösser zu unvergänglichen Monumenten bayerischer Geschichte wurden, wurde der „Kini“ für seine Anhänger unsterblich. Noch heute wird er im Alpenland von vielen verehrt und gefeiert – wie beispielsweise hier in Murnau:

In Kultur & Film sowie
in Sport & Gastronomie verewigt
Ein einzigartiges Musical erleben Kulturinteressierte bei einem Besuch in Füssen. Jährlich können die Zuschauer dort, im Festspielhaus am Ufer des Forggensees – vor der Traumkulisse Schloss Neuschwansteins -, das Leben des Märchenkönigs musikalisch inszeniert erleben.

In Oberammergau wird hingegen jährlich am Vorabend des Geburtstages des Königs, am 24. August, das traditionelle Höhenfeuer, das sogenannte „König-Ludwig-Feuer“, entzündet.
Während sich diverse Filmproduktionen mit dem Leben des Märchenkönigs befassen, spiegelt sich seine einstige Existenz auch im Sport wider: 1968 wurde der sogenannte König-Ludwig-Lauf ins Leben gerufen – ausgetragen wird der größte Volksskilanglauf Deutschlands bei Oberammergau und Ettal.
Darüber hinaus wird man bei einem Besuch diverser Gaststätten in sogenannten „König-Ludwig-Stüberln“ – gemeint sind Räumlichkeiten, die meist auch ein Gemälde des Monarchen ziert – ein „König Ludwig Bier“ genießen können.

Hofläden und Konditoreien halten noch weitere kulinarische Köstlichkeiten mit Bezug zum „Kini“ bereit. Die bayerischen Gastronomen und Geschäftsleute huldigen in dieser Form bis heute ihrem einstigen Märchenkönig.
Des Weiteren existieren zahlreiche Vereine und Verbände „königstreuer“ Anhänger, die sich der Pflege der bayerischen Bräuche, Geschichte und Sprache widmen – und die bayerische Tourismusbranche nutzt bis heute nicht nur die Person des „Kini“, sondern auch die von ihm hinterlassenen Bauten für eine entsprechende Vermarktung.
Faszination Alpenland
Dass König Ludwig II. die Schlösser Herrenchiemsee, Linderhof sowie auch Neuschwanstein an landschaftlich besonders reizvollen Plätzen in der bayerischen Alpenregion errichten ließ, zeugt bis heute von seinem durchaus guten Geschmack.
Aber nicht nur die Bauwerke ziehen viele Blicke auf sich und versammeln regelmäßig große Menschenmassen um sich – auch das Voralpen- und Alpenland an sich hat seinen ganz eigenen Charme. Oder wie der Bayer sagen würde: „Scho schee do!“

