Im Hinterland des Gardasees

Auf geschichtlichen Pfaden unterwegs in Solferino & Costermano

Der Ort Solferino, zehn Kilometer südlich des Gardasees gelegen, ist mit seinen etwa 2700 Einwohnern vielleicht im ersten Augenblick eher unscheinbar – und für viele auch kein Touristenziel im herkömmlichen Sinne.

Hier bin ich auf geschichtlichen Pfaden unterwegs in Solferino.

Weltweit bekannt geworden ist der Ort durch die Schlacht von Solferino. Worum ging es? Die Truppen des Kaiserreichs Österreich und des Königreichs Piemont-Sardinien, unterstützt von französischen Einheiten unter dem Befehl des französischen Kaisers Napoleon III., standen sich am 24. Juni 1859 bei Solferino und bei San Martino, gleich südlich des Gardasees, gegenüber. Es kam zu den entscheidenden Schlachten im sogenannten Sardinischen Krieg.
Die Soldaten kämpften einen ganzen Tag lang auf einer 24 Kilometer langen Front. Letztendlich ging die piemontesisch-französische Allianz als Sieger hervor – aufgrund dessen wird dieser Sieg oft mit der Wiedergeburt eines geeinten Italiens gleichgesetzt.
Unfreiwillig am Geschehen beteiligt war seinerzeit ein Kaufmann aus Genf, Henry Dunant. Nach dem Ende der Schlacht wurde er Zeuge der katastrophalen Zustände auf dem Schlachtfeld. Dunant hat schließlich zahlreichen Verwundeten persönlich Hilfe geleistet und organisierte in den folgenden Tagen mit Unterstützung der Bewohner umliegender Dörfer weitere zivile Hilfe für die Opfer.
Diese Hilfeleistung für die Soldaten beider Lager machte diesen Tag letztendlich zur „Geburtsstunde“ des heutigen Roten Kreuzes. Daran erinnert in Solferino das 1959 eingeweihte Denkmal des Roten Kreuzes. Nicht weit davon entfernt steht heute noch ein 28 Meter hoher Turm auf dem Rocca di Solferino, auch „Spion von Italien“ (Spia d’Italia) genannt, da von ihm aus Beobachter damals weit hinter die feindlichen österreichischen Linien blicken konnten.

Der Turm, in dessen Eingangshalle Erinnerungsstücke an die Schlacht ausgestellt werden, kann besichtigt werden.

Von seiner Beobachtungsplattform aus bietet sich ein weiter Blick auf die ehemaligen Schlachtfelder und die Umgebung.

Das Turmplateau des Spia d’Italia bietet einen eindrucksvollen Blick über die Lombardei.

Nicht weit entfernt, befindet sich im Ort ein Museum, das hauptsächlich die Geschichte des Risorgimento (Einigung Italiens 1848 – 1870) thematisiert, wobei die Schlacht von 1859 einen besonderen Schwerpunkt bildet. Gezeigt werden unter anderem Waffen und Ausrüstungsgegenstände der beteiligten Armeen sowie zeitgenössische Darstellungen der Kämpfe. In unmittelbarer Nähe des Museums befindet sich die Knochenkapelle Ossario di Solferino. Hier werden die Schädel von 1.413 Gefallenen der Schlacht und Knochen von vielen weiteren Opfern aufbewahrt.

Wer bei gutem Wetter vom Spia d’Italia nach Norden schaut, der kann südlich des Gardasees, in der Nähe von Desenzano, den Turm von San Martino della Battaglia erkennen, der dort als Erinnerung an die Parallelschlacht von 1859 errichtet wurde. Geschichtsinteressierte können auch hier entsprechende Ausstellungen besuchen. Weitere Infos zu den jeweiligen Einrichtungen findet ihr hier.

Costermano sul Garda liegt im östlichen Hinterland des Gardasees. Die Bergmassive Monte Baldo und der Monte Brione sind nicht weit von hier. Der kleine Ort mit etwa 4000 Einwohnern ist nur 25 Kilometer von Verona entfernt und der Ferienort Garda liegt in unmittelbarer Nähe. Ich habe diesen ruhigen Ort, idyllisch in einer typisch italienischen Hügellandschaft liegend – gespickt mit Olivenhainen, Weinbergen und Zypressen – aber nicht besucht, um hier entspannende Urlaubsstunden zu verbringen…

Zypressen stehen an einer Straße in Costermano.

Es ist ein trauriger, historischer Hintergrund, der mich hier hinführt: In dieser malerischen Urlaubsregion nahe des Gardasees befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof, etwas außerhalb des Ortskerns. Hier ist die letzte Ruhestätte deutscher Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg in Italien kämpften und gefallen sind.

Die Gräber dieser meist sehr jungen Soldaten sollten uns dauerhaft zum Frieden mahnen und verdeutlichen, welche Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben!

Das weitläufige Areal des deutschen Soldatenfriedhofs wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt.

Das sehr gepflegte Areal, für über 20.000 gefallene Soldaten und weitere Kriegstote aus dem Zweiten Weltkrieg die letzte Ruhestätte, wurde seit 1955 errichtet und 1967 eingeweiht. Verwaltet und gepflegt wird der deutsche Soldatenfriedhof in Costermano vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Bedauerlicherweise wird vor Ort berichtet, dass immer weniger deutsche Touristen diesen Friedhof besuchen – und das, obwohl in den Sommermonaten stets viele Deutsche ihren Urlaub hier am Gardasee verbringen. Es wäre daher durchaus empfehlenswert, wenn besonders Familien etwas Zeit für einen Besuch hier „opfern“ würden, damit auch Kindern anhand der Gräber – oft noch sehr junger Menschen – vor Ort anschaulich verdeutlicht wird, welche Folgen Krieg und Gewalt nach sich ziehen.

Auf dem Friedhof ruhen 21.990 deutsche Soldaten.

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