Ein Stadtbummel durch Meran
Meran. Nicht nur der Name klingt direkt nach Urlaub, Italien, Seele baumeln lassen und einer guten Gelegenheit, dem Alltag entfliehen zu können.
Die zweitgrößte Stadt in der italienischen Provinz Südtirol überzeugt mit ihrem ganz eigenen Charme – der kontrastreiche Mix aus mediterraner und alpiner Lebensart ist allgegenwärtig. Während andere norditalienische Städte wie Bozen – gelegen direkt in den Alpen, wo Etschtal- und Eisacktalfurche aufeinandertreffen – oder auch Vipiteno – zwischen den alpinen Übergängen Jaufen- und Brennerpass sowie Penser Joch – beispielsweise einen primär alpinen Touch aufweisen, tragen Zypressen, Palmen und nicht zuletzt Zitronenbäume in Meran zu dem typischen mediterranen Flair bei. La dolce vita pur! 🌴🍋


Sisis einstige Flaniermeile
Auch historisch-kulturell ist die Kurstadt Meran ein ganz besonderes Schmuckstück: Hier spürt man nach unzähligen Jahren immer noch die Präsenz der gebürtigen bayerischen Prinzessin, später österreichischen Kaiserin, Sisi. Die einnehmende Persönlichkeit hat hier unverkennbar ihre Spuren hinterlassen. Ihr ist es auch zu verdanken, dass Meran Ende des 19. Jahrhunderts als Luftkurort in ganz Europa bekannt wurde. Warum? Es war das Jahr 1870. Die kleine Tochter der Kaiserin, Valerie, war zu dieser Zeit sehr krank und sollte sich in dem milden Klima der Region erholen, wieder zu Kräften kommen. Sisi reiste also mit ihr und der älteren Tochter Gisela nach Südtirol und lebte mit den beiden auf Schloss Trautmannsdorff. Die Räume des Schlosses wurden eigens für den Aufenthalt der drei entsprechend renoviert und anschließend prunkvoll eingerichtet. Nachdem tatsächlich nach einiger Zeit eine Besserung des Gesundheitszustandes von Valerie eintrat, berichteten die Zeitungen überregional von dem heilsamen Klima Merans. Die Folge: Ein Reiseboom.
Wer nach Meran reist, wird zuerst einen Blick auf die zeitgenössische Therme werfen. Ebenso wie mittelalterliche Traubengänge, Burgen und Stadttore knüpft das Gebäude an die Vergangenheit und Tradition Merans als Kurstadt und mittelalterliches Zentrum Tirols an. Gegenüber der Therme, ebenfalls am Ufer des Gebirgsflusses Passer, hat man einen sagenhaft schönen Blick auf das alte Kurhaus der Stadt.

Über die Thermenbrücke geht es in den Ortskern. Die Altstadt von Meran mit ihren historischen Gebäuden bietet viele Möglichkeiten, einzukehren und bei einem Cappuccino oder einem leckeren Eis das dolce vita zu genießen. Ich habe es mir beispielsweise im Laubenkeller gemütlich gemacht und dort leckere italienische Speisen genossen.

Traumhafte Aussicht über das Meraner Land
Anschließend geht es gestärkt weiter. Ich mache noch einen kleinen Streifzug durch das eine oder andere Geschäft und vorbei am Wahrzeichen von Meran, der Pfarrkirche St. Nikolaus – zu finden ist die Kirche in der oberen Altstadt – und dann zieht es mich „hoch hinauf“. Über das Passeirer Tor, geht es Richtung Tappeinerweg und Pulverturm.



Der Turm oberhalb der Pfarrkirche ist der Startpunkt meines Spaziergangs auf dem Tappeinerweg. Von hier oben hat man einen atemberaubenden Blick auf das Stadtbild von Meran und das umliegende Meraner Land.


Wo Sisi einst verweilte
Wenige Autominuten entfernt liegt das Schloss Trautmannsdorff mit seinen berühmten Gärten. Das Schloss ist inzwischen nicht mehr die – trotz aufwändiger Renovierungsarbeiten – doch verhältnismäßig spartanische Unterkunft der Kaiserin, sondern es beherbergt mit dem interaktiven Touriseum ein Museum mit Hands-on-Mentalität, das die Besucher durch 200 Jahre Tiroler Tourismusgeschichte führt.
Die umliegenden Gärten des Schlosses, die sich auf einer Fläche von zwölf Hektar in Form eines natürlichen Amphitheaters über einen Höhenunterschied von 100 Metern erstrecken, bieten überragende Einblicke in eine vielfältige und exotische Pflanzenwelt.

Der sogenannte „Sissi“-Weg (für Filmfreunde der gleichnamigen Trilogie ist überwiegend eher die Schreibweise „Sissi“ bekannt), schließlich verbindet Schloss Trauttmansdorff heute mit der Meraner Altstadt.
Der Weg führt, ausgehend von den botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff, über Schloss Pienzenau, Schloss Rubein, die Residenz Reichenbach und den Brunnenplatz, anschließend über Schloss Rottenstein zum Hotel Bavaria. Von dort aus geht es weiter zur Passer – über den Steinernen Steg – und schließlich entlang der Wandelhalle bis hin zur Endstation: dem Sissi-Park im Zentrum Merans. Dort befindet sich eine überlebensgroße Skulptur der Kaiserin.


Sisi verbrachte mehrere Kuraufenthalte in Meran, wodurch die italienische Kurstadt am Rande der Alpen große Bekanntheit erlangte und recht schnell zum Nobelkurort aufstieg.
Die österreichische Kaiserin verweilte unter anderem auf Schloss Rottenstein. Zweimal verbrachte sie ihren Aufenthalt auf Schloss Trauttmansdorff: Wie bereits erwähnt, wurde sie während ihres ersten Besuchs in Meran von ihren Töchtern begleitet. 18 Jahre später suchte Sisi Meran und das Schloss erneut auf. Sie lebte dort in den gleichen Räumlichkeiten wie zuvor. Nun trug sie aber – nach dem vorausgegangenen Selbstmord von Sohn Rudolf – als Zeichen ihrer Trauer nur noch schwarze Kleider und verließ das Schloss kaum. Seitdem nannte man sie die „schwarze Frau“.
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