Ein persönlicher Blick auf Bayern

Bayernbotschafter Florian Blickenberger exklusiv im Gespräch

Florian Blickenberger ist Schmuck- und Modedesigner aus Rosenheim. Für Bavarese on Tour spricht der offizielle Bayern-Botschafter der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH über Heimatgefühle und Fernweh, die Kunst, Tradition neu zu denken – und natürlich darüber, was Bayern für ihn persönlich ausmacht.

Von Bayern in die Welt und zurück: Bayernbotschafter Florian Blickenberger

Florian, wenn Sie an Bayern denken: Welches Bild, welcher Geruch oder welches Geräusch taucht bei Ihnen sofort vor dem inneren Auge auf?

Für mich ist Bayern weniger ein einzelnes Bild als ein Gefühl. Heimat steckt oft in den kleinen Dingen: das Läuten der Kirchenglocken zur Mittagszeit, der Duft von Wiese und Erde nach einem Sommergewitter, Omas Schweinsbraten mit Knödel oder das Rauschen des Windes in den Wäldern. Ein Geschmack, ein Duft, ein Geräusch – und plötzlich ist man wieder da. Heimat ist für mich Gefühl, Erinnerung und Verbundenheit.

Sie haben Bayern als junger Mensch verlassen und viel von der Welt gesehen. Was haben Sie unterwegs über Bayern gelernt, das Sie von hier aus vielleicht nie entdeckt hätten?

Ich bin damals mit 16 Jahren, 500 Euro in der Hosentasche und einem One-way-Ticket nach Spanien ausgewandert. Egal, wohin ich später kam: Wenn mich jemand fragte „Where are
you from?“ und ich sagte „I’m from Bavaria“, kam fast immer sofort eine positive Reaktion:
„Oh, Weissbier, Lederhosen, Oktoberfest – that’s great!“ Da habe ich erst verstanden, welche
Strahlkraft Bayern in der Welt hat. Fast jeder kennt Bayern und verbindet damit etwas
Positives.

Gibt es einen Moment auf Ihren Reisen, in dem Sie gedacht haben: „Das gibt es so nur
in Bayern“?

Die Berge, die Seen und vor allem die Menschen. Auf meinen Reisen habe ich gemerkt, wie
sehr mich genau das geprägt hat. Als Designer lasse ich mich heute von meiner Heimat und
ihren Menschen inspirieren. Unsere Berge stehen für mich sinnbildlich für die eigenen Ziele
im Leben: Man hat einen Gipfel vor Augen und macht sich auf den Weg dorthin. Aus diesem
Gedanken sind auch meine kleinen, authentischen Gipfelkreuzanhänger entstanden – als
Wegbegleiter auf dem Weg zu den ganz persönlichen Gipfeln im Leben.

Manchmal muss man erst weggehen, um zu erkennen, was man zu Hause hat.

Florian Blickenberger

Sie sind nach Bayern zurückgekehrt. Ist Heimat für Sie heute etwas anderes als mit 17
Jahren?

Ja, vollkommen. Mit 16 oder 17 hat man andere Themen: Schulabschluss, Führerschein, die erste große Liebe – der Fokus liegt ganz woanders. Erst als ich nach über sieben Jahren im Ausland zurückkam und Freunde von meinen Reisen mich in Bayern besuchten, begann ich, meine Heimat selbst neu zu entdecken. Ich zeigte ihnen unsere historischen Gassen, die traditionellen Häuser mit Lüftlmalerei, die Landschaft – und plötzlich wurden auch meine eigenen Augen groß. Manchmal muss man erst weggehen, um zu erkennen, was man zu Hause hat. Wir haben das Paradies sprichwörtlich vor der Haustür.

Wenn Sie einem Italiener Bayern erklären müssten, ohne die Wörter Berge, Bier und
Lederhose zu verwenden – wie würden Sie es beschreiben?

Dolce Vita auf bayerische Art. Ohne Aperol, dafür mit einer „Schaumigen“ und einer Prise
bayerischem Humor.

Und umgekehrt: Was hat Bayern Ihrer Meinung nach mit dem italienischen Lebensgefühl gemeinsam?

Für mich könnte man die Landesgrenzen manchmal ganz einfach verschieben. Die Menschen in der gesamten Alpenregion – ob in Bayern, Österreich oder Italien – ticken in vielem ähnlich: Genuss, Tradition und Lebensfreude gehören einfach dazu. Das Einzige, was uns in Bayern vielleicht fehlt, ist das offene Meer. Aber dafür liegt das „Bayerische Meer“, der Chiemsee, bei mir nur einen Steinwurf entfernt.

Bei Bavarese on Tour geht es auch um das „Dolce Vita“. Wo erleben Sie in Bayern ganz persönlich einen Moment, der sich nach Dolce Vita anfühlt?

Die Frage ist für mich leicht zu beantworten: das Rosenheimer Herbstfest. Unsere Wiesn ist klein, persönlich und familiär. Ein Rundgang über die Loretowiese dauert gemütliche 20 Minuten – oder auch mal zwei Stunden, weil man unterwegs so viele bekannte Gesichter und Freunde trifft. Dazu gutes Essen in den Zelten und diese besondere Atmosphäre. Das ist jedes Jahr mein ganz persönlicher Dolce-Vita-Moment in Bayern.

Sie tragen als Designer bayerische Symbole in die Welt. Welches Symbol erzählt für Sie
die schönste Geschichte – und warum?

Ganz klar: die Gipfelkreuze. Jeder Mensch hat im Leben seine eigenen Berge zu überwinden und seine persönlichen Gipfel vor Augen. Unsere Wege führen dabei nicht immer nur nach oben – manchmal über schmale Grate, manchmal durch tiefe Täler. Für mich steht das Gipfelkreuz deshalb für das eigene Ziel, aber auch für Kraft, Mut und Ausdauer auf dem Weg dorthin.

Meine Anhänger sind echten Gipfelkreuzen aus unserer Region, wie dem Wendelstein oder Heuberg, nachempfunden. So wird aus einem bayerischen Symbol ein ganz persönlicher Wegbegleiter – und ein kleines Stück Heimat zum Dabeihaben.

Was würden Sie einem Besucher zeigen, der Bayern nicht als Postkartenmotiv, sondern
als Lebensgefühl kennenlernen möchte?

Eine Stand-up-Paddel-Tour von der Schafwaschener Bucht am Chiemsee hinüber zur
Fraueninsel. Dort eine Fischsemmel holen und anschließend aufs Hausbankerl am See, mit
Blick auf die Berge und den See. Wenn dann im richtigen Moment die Sonne untergeht,
braucht es nicht mehr viel. Das sind die Momente, aus denen Erinnerungen fürs Leben
entstehen.

Gibt es einen Ort in Bayern, den Sie bewusst nicht jedem verraten würden – Ihren ganz
persönlichen Geheimtipp?

Meine Frau hat mir einmal den Bichlersee gezeigt, einen der tiefsten Bergseen bei uns im
Chiemgau – damals ein wahrhaftiger Geheimtipp. Den habe ich allerdings irgendwann der
Bayern Tourismus Marketing GmbH verraten. Daraufhin wurde dort mit mir ein Video gedreht, das heute im Eingangsbereich des Terminal 1 am Münchner Flughafen gezeigt wird.
Offiziell läuft er zwar immer noch unter „Geheimtipp“ – aber meine Frau ist mir bis heute ein
bisschen zwider, dass ich ihn verraten habe.

Welcher italienische Ort könnte Ihnen stattdessen so sehr gefallen, dass das Fernweh Sie dort irgendwann einmal hintreibt?

Ohne zu Überlegen – die Insel Elba. Dort war ich schon als kleiner Bub – und ich glaube sogar schon, als ich noch im Bauch meiner Mamma war. Mit dieser Insel verbinde ich viele Erinnerungen, und bis heute zieht es uns regelmäßig dorthin zurück. Elba ist für mich ein Stück Italien, das sich fast schon wie eine zweite Heimat anfühlt. Mein Strand ist Marina di Campo.

Gibt es etwas typisch Bayerisches, bei dem Sie sagen würden: „Das sollte jeder unbedingt einmal ausprobieren“?

Wenn ich jetzt Hendl, Bier oder Weißwürschtl sage, erfülle ich natürlich jedes Klischee.
Mein Tipp wäre deshalb: Geh in einen echten bayerischen Biergarten. Dort darfst du im dafür
vorgesehenen Bereich deine eigene Brotzeit mitbringen – gerne sogar mit eigener Tischdecke und Besteck. Das ist bei uns Brauch und Sitte und in dieser Form kenne ich es aus keinem anderen Land. Dafür sollte man den Wirt bei den Getränken nicht zu kurz kommen lassen.
Also mein Tipp: Getränke am besten gleich in Maßkrügen bestellen.

Welcher Ort in Bayern, welches Gericht, welches Getränk und welcher Moment dürfen
in Ihrem persönlichen Bayern niemals fehlen?

Verdammt – auf diese Frage habe ich gewartet. Hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Nachmachen: Fahr nach Baierbach am Simssee zum Gocklwirt der Familie Huber.
Setz dich in eines der wunderschönen alten Weinfässer, bestell bei Florian, dem Sohn des Hauses ein Schnitzel oder einen Zwiebelrostbraten, der in der Küche vom Vater Willi zubereitet wird, dazu eine Apfelschorle oder ein Simsseer Bier.
Und dann: einfach genießen.


Die Schmuckstücke des Designers und Gründers von MAMMA BAVARIA erzählen Geschichten von Bergen, Heimat und bayerischer Tradition – gleichzeitig sind sie geprägt von seinen zahlreichen Erfahrungen außerhalb Bayerns.